30 Mai 2015

Fundstücke (203)


Außergewöhnlich sinnvolle Selfiestickvariante – entdeckt an einer Hauswand in der Großen Freiheit, St. Pauli.

19 Mai 2015

Die gemütlichsten Ecken von St. Pauli (96)



Eichhörnchen in Planten un Blomen.

Der kleine Kerl hat neben Nüssen allem Anschein nach auch eine professionell gedrehte Tüte stibitzt (rechts unten). 
 
Auf St. Pauli sind eben auch die Eichhörnchen clever.

13 Mai 2015

Aller schlechten Dinge sind sieben

Fahrraddiebstahl Nummer sieben. Statistisch etwas verfrüht, denn ich hatte das Rad erst seit 18 Monaten, und im Schnitt wird es mir immer erst nach ungefähr zweieinhalb Jahren entwendet.

Als ich heute Morgen meine geliebte Gazelle vom Laternenmast losschnallen wollte, fand ich jedenfalls nur noch das durchschnittene Kettenschloss vor. Achtlos war es auf dem Gehweg zurückgelassen worden.

So weit, so üblich, doch etwas war anders, etwas Irritierendes: Auch der Fahrradständer lag dort, mit einem sauberen Schnitt durchtrennt. Warum schneidet jemand, der ein Rad stiehlt, den Ständer ab und legt ihn neben das Schloss? Was möchte mir der Dieb damit sagen? Ist das so etwas wie eine Kastrationsfantasie? Oder gar -androhung?

Das steht ernsthaft zu befürchten. Wahrscheinlich muss ich umziehen, um diesem Schicksal zu entgehen. Denn was bitte soll man ausgerechnet in St. Pauli anfangen ohne Ständer?

Wer das abgebildete Fahrrad irgendwo herumstehen sieht, und sei es in Polen oder Portugal: bitte melden. 

05 Mai 2015

Nürnberg und die Folgen

Durchaus mit vorwurfsvollem Unterton informierte ich gestern den Franken darüber, dass ich nach nur drei Tagen Aufenthalt im fränkischen Nürnberg ein ganzes Kilo mehr auf die Waage bringe.

„Wahrscheinlich warst du einfach noch nicht aufm Klo“, versucht er sich und seine Ethnie zu rechtfertigen. „Also bitte“, antworte ich, „über solche Werte informiere ich immer nur inflationsbereinigt.“

Nein, meine Theorie geht eher von einer spezifisch fränkischen Kalorienausstattung sämtlicher oral zuführbarer Dinge aus. Nehmen wir die Kässpätzle, welche ich arglos in einem Restaurant namens Nürnberger Alm orderte: Nicht nur handelte es sich dabei um einen schier monströsen Berg Kulinarik, der mir beinah die Sicht auf Ms. Columbo versperrte, auch die verschwenderische Üppigkeit, mit der die unschuldigen Nudeln käsekontaminiert waren, ließ mich vor Schreck erst mal am Alm-Schwarzen nippen.

Apropos Alm-Schwarzes: Bier serviert man drunten an der Pegnitz generell in Mindestgrößen, die hier in Hamburg bereits das obere Ende der Fahnenstange bilden. Und wagte es ein Schankwirt, dem Gast Frankenwein in einer Abgabemenge von lediglich 200 Milliliter (-> das Wort sieht übrigens recht lustig aus) zu offerieren, so bewürfe der ihn umstandslos mit Bocksbeuteln.

Nein, ein Viertele muss es generell sein, und die gewöhnlich ausschankdiensthabende Fränkin würde den Teufel tun und trotz alledem den Eichstrich nicht deutlich überschreiten. Alles hier in Nürnberg nämlich ist voller, dicker, breiter, höher, gehäufter als in hanseatischen Breiten – nur am Ende sympathischerweise die Rechnung nicht.

Unter diesen Umweltbedingungen wäre es kaum verwunderlich, wenn das hier seine Tage und Jahre fristende Frankenvolk kurzatmig, teigig und adipös durch die Stadt walzte, kaum mehr fähig, die Kaiserburg zu ersteigen, weshalb es sich lieber in Lokalen wie der Nürnberger Alm ächzend hinter die Holzbänke zwängen und erst mal eine Portion Kässspätzle vertilgen müsste, was das Ersteigen der Kaiserburg erst recht in eine ungewisse Zukunft vertagte.

Doch so voluminös wie vermutet greift der Nürnberger Franke gar nicht Raum. Natürlich: Eine gewisse Stämmigkeit, ein pralles Ausfüllen der durchweg geschmacklosen Kleidung ist in der Altstadt, die hauptsächlich Gegenstand unserer Feldforschungen war, keineswegs zu leugnen. Am anatomischen Extremismus mancher US-amerikanischen Vorbilder indes orientiert sich der durchschnittliche Frankenkörper noch immer nur eher vage.

Wie also vermeidet er es, binnen drei Tagen ein Kilo zuzulegen, im Jahr also ungefähr hundert? Ich weiß es nicht, und der Hamburger Franke („Wie: Ihr habt nicht mal Nürnberger Rostbratwürste gegessen? Ihr Vegetarier!“) erst recht nicht.

Die gewisse Bequemlichkeit der Bevölkerung hinsichtlich aller Bewegungsabläufe manifestiert sich übrigens auch in den Graffiti, wie das Bild oben beweist. Statt selbst etwas irgendwohin zu pinseln, streicht der pfiffige Nürnberger lieber (hinter)sinnigerweise etwas weg.

Herauskommt Sozialkritik auf Fränkisch. Und danach erst mal ein Berg Kässpätzle. Oder ein paar Rostbratwürste im Weckla.